Einen Autokredit umschulden

Der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist es zu verdanken, dass Autokredite derzeit so günstig sind, wie selten zuvor. Von den finanziellen Vorteilen bei der Finanzierung eines Pkws profitieren Verbraucher nicht nur bei neuen Kreditverträgen. Durch die Umschuldung eines bereits bestehenden Autokredites lassen sich in Abhängigkeit von der Laufzeitlänge und der Höhe der Darlehenssumme nicht selten mehrere Hundert Euro sparen. Dabei ist es nicht erforderlich, dass der neue Kredit von der gleichen Bank stammen muss. Vielmehr sollten die Konditionen mehrerer Kreditinstitute miteinander verglichen werden, um das beste Angebot herauszufiltern.

Zinsersparnis vor der Umschuldung überprüfen

Wer einen Autokredit umschulden will, muss die Konditionen für den bestehenden Vertrag genau mit denen des neuen Kredites vergleichen. Damit tatsächlich ein finanzieller Vorteil entsteht, muss der effektive Jahreszins des neuen Darlehens deutlich unter dem des alten Kredites liegen. Je länger die Restlaufzeit des bestehenden Vertrages und je höher die Kreditsumme, desto lukrativer ist eine Umschuldung für den Verbraucher. Die Ablösung des alten Kredites und die Aufnahme eines neuen Darlehens kann auch eine sinnvolle Maßnahme sein, wenn die Ratenzahlungen beim bestehenden Vertrag zu hoch angesetzt sind und das Haushaltsbudget übermäßig strapaziert wird. Ein neues Darlehen mit längerer Laufzeit und niedrigeren Raten sorgt in diesem Fall für Abhilfe. Allerdings ist zu beachten, dass ein Kredit mit längerer Laufzeit unter dem Strich teurer wird, als ein Kredit, der innerhalb eines kurzen Zeitraumes zurückgezahlt wird.

Autokredit umschulden: Kündigungsfristen und Vorfälligkeitsentschädigung

Ein Autokredit entspricht im Wesentlichen einem Ratenkredit, für den die Kündigungsfristen gemäß der EU-Verbraucherkreditrichtlinie gelten. Danach können Kredite mit einer festen Laufzeit, die nach dem 11. Juni 2010 aufgenommen wurden, jederzeit ganz oder teilweise durch eine Sondertilgung früher als vereinbart zurückgezahlt werden. Der Kreditgeber ist in diesem Fall berechtigt, eine Vorfälligkeitsentschädigung einzufordern, die allerdings nur eine Höhe von maximal einem Prozent des Ablösebetrages besitzen darf. Liegt die Restlaufzeit des Autokredites unter 12 Monaten, dürfen nur 0,5 Prozent Vorfälligkeitsentschädigung erhoben werden. Darüber hinaus ist geregelt, dass die Entschädigung nicht höher ausfallen darf als die Summe der Zinsen, die bis zum Ende der Vertragslaufzeit angefallen wären. Wer einen Autokredit umschulden will, der vor dem 11. Juni 2010 abgeschlossen wurde, muss eine Kündigungsfrist von drei Monaten einhalten. In den Verträgen ist geregelt, unter welchen Bedingungen eine Sondertilgung oder vorzeitige Ablösung vorgenommen werden kann.

Umschuldung und fristgemäße Rückzahlung

Um exakte Zahlen für die Umschuldung eines Autokredites zu erhalten, fordert man beim Kreditgeber ein Angebot für die vorzeitige Rückzahlung des Darlehens an. Dieses wird für die Beantragung des neuen Kredites ohnehin benötigt. Darin sollte ein Termin für die Rückzahlung enthalten sein, der eingehalten werden muss. Im Rahmen einer Umschuldung wird das neue Kreditinstitut die Formalitäten erledigen und die fristgerechte Überweisung veranlassen. Sicherheiten, die für das alte Darlehen hinterlegt wurden, werden mit Begleichung der Restschuld freigegeben. Bei einem Autokredit handelt es sich dabei in der Regel um den Kfz-Brief. Folgende Punkte müssen beachtet werden, wenn man einen Autokredit umschulden möchte:

  • Ermittlung der Kostenersparnis
  • Überprüfung der Kündigungsfristen
  • Ermittlung der Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung
  • Freigabe der hinterlegten Sicherheiten
  • termingerechte Rückzahlung des alten Autokredites

Bearbeitungsgebühr erstatten lassen

Während bis zum Jahr 2014 die Bearbeitungsgebühren für einen Kredit bei einer Umschuldung vom Kreditinstitut nicht zurückgezahlt werden mussten, trat mit dem BGH-Urteil vom 13.05.2014 eine Änderung in Kraft. Danach sind Banken verpflichtet, die zusätzlich zum Zins erhobenen Bearbeitungsgebühren an die Kreditnehmer zurückzuzahlen. Das Urteil ist rechtskräftig und bezieht sich auf alle Ratenkredite. Betroffen von dieser Regelung sind nicht nur Darlehen, die umgeschuldet werden, sondern alle Kredite, die ab dem Jahr 2004 aufgenommen wurden. Anders verhält es sich mit den Beiträgen, die für eine eventuelle Restschuldversicherung entrichtet wurde. Der Beitrag wird in diesem Fall in der Regel nur zum Rückkaufwert erstattet.